Katze

Wie die streichelnde Luft ohne Ziel durch die Gärten streicht,
schleicht sie heran und der Teppich mit viel
bunten Ranken erbleicht in magnetischem Bann —
Grau und weich folgt ihr Fell ihrem Kinn, das sich vorstreckt mit spitzigem Stich, dunkel, grünlich und hell
äugt sie starr vor sich hin und sucht nur sich —
sie geht, wie ein Wind weht, einsam sich windend durchs Zimmer, stumm, ihr Herz ist blind, voller Anmut dreht
sie sich leer um sich um —und so leise, als sei sie die Dämmrung, die zieht durch das Licht ihren Strich,
spielt sie Tier und Gespenst, Spielerei mit dem Nichts und sie sieht nur sich.

Alfred Wolfenstein



Ein unerfahrenes Kätzchen sah
Zum ersten Mal den Mond in vollem Lichte prangen
und sprach entzückt zum Großpapa:
„Sieh an der Decke dort den schönen Käse hängen.
Oh, hätten wir ihn doch!“ – Ei, lerne, blöder Fant“,
versetzt der Großpapa, „fürs erste Mäuse fangen,
Die sind uns näher bei der Hand.“

Gottlieb Konrad Pfeffel 
                       

In meinem Hirn geht, als wär es ihre Wohnung, eine
schöne Katze spazieren, kraftvoll, sanft und reizend,
Wenn sie miaut, hört man es kaum,

So zärtlich und verstohlen ist der Klang; ob aber ihre
Stimme sich sänftigt oder grollt, stets tönt sie reich und
tief. Das ist ihr Zauber und ihr Geheimnis.

Diese Stimme, die in meine finstere Tiefe perlt
und träuft, erfüllt mich wie wohltuende Verse und erheitert
mich wie ein Heiltrank.

Sie schläfert die ärgsten Leiden ein und enthält alle
Wonnen; um die längsten Sätze zu sagen, bedarf sie
keiner Worte.

Nein, es gibt keinen Bogen, der über das vollkommene
Instrument meines Herzens streicht und königlicher
seine bebende Saite singen machte,

Als deine Stimme, geheimnisvolle Katze, seraphische
Katze, seltsame Katze, in der, gleichwie in einem Engel,
alles von Zartheit wie von Harmonie durchwirkt ist!

Au ihrem blond und braunen Fell steigt ein so süßer
Duft, das eines Abends ich ganz davon durchhaucht
war, als ich einmal, ein einziges Mal nur, sie gestreichelt
hatte.

Sie ist der Hausgeist hier; sie richtet, herrscht, begeistert
alle Dinge in ihrem Reich; vielleicht ist sie eine Fee, ist
sie ein Gott.

Wenn meine Augen, die diese geliebte Katze magnetisch
auf sich lenkt, gehorsam wich wenden und ich dann nach
innen blicke,

So seh ich mit Erstaunen das Feuer ihrer bleichen Augensterne - Leuchtzeichen, lebende Opale -, die mich anschaun unverwand.

Charles Baudelaire



Die Dichterkatze, würdig und betagt,
wie sie dem Dichter wohl behagt,
sucht sich immer stille Plätze,
um auszuruhn von der Hetze
und in solcher Einsamkeit
zu sinnen über Freud und Leid.
Ich weiß nicht: Woher hat sie das nur?
Vielleicht war es ja die Natur, die zum Denker sie gemacht - sonst hat s ihr Herr ihr wohl beigebracht.

Wer möchte nicht ein Kätzchen sein,
hat keine Schule, kein Latein,
braucht nicht zu rechnen,
braucht nicht zu lesen.
Ach, die Kätzchen sind glückliche Wesen.

Spielen den ganzen Tag in der Sonne,
jagen sich um die Regentonne,
stoßen sich, kugeln sich in den Sand,
linkerhand klapps, klapps rechterhand.

Ach, und sie können kein Hemdchen zerschleißen,
ach, und sie können kein Hemdchen zerreißen,
höchstens, daß sie sich einmal kratzen,
aber dafür sind es auch Katzen.

Nachtruhe mit Katzenkindern

Es ist schon spät, wir geh'n jetzt "ratzen",
und mit uns unsre Miezekatzen.
Schön zugedeckt, in einem Raum,
wir schlummern ein, es naht ein Traum.

...So stellt man sich das immer vor,
legt man des abends sich aufs Ohr.
Doch Dosi ist grad eingeschlafen,
da stehn sie auf, die "süßen, braven".

Schlag 12 geht's los, zur Geisterstunde,
KATZENPARTY macht die Runde.
Jagdspielchen auf Parkett aus Holz
"Das dröhnt so schön!" miaut er stolz.

Ne wilde Jagd durchs ganze Haus,
fürs Träumen sieht's da düster aus.
Ich würd' so gerne weiterpennen,
doch unsre Katzen wollen rennen.

Hui - übers Bett geht da die Hatz,
voll auf den Bauch mit einem Satz.
Noch ist der Kater leicht und klein
...lass den erst mal erwachsen sein.

Wir liegen wach, Stunden vergehn,
schon ist es Zeit, um aufzustehn.
Todmüde in die Küche hinken,
wolln nur noch eines: Kaffee trinken.

Bad - anziehn - fertig - müssen gehn,
will kurz noch nach den Miezen sehn.
Jetzt sieht man sie, die "süßen, braven"
auf unserm Bett ganz friedlich schlafen...

Schöpfung und Katzen

  • Am ersten Schöpfungstag erschuf Gott die Katze.
  • Am zweiten Tag erschuf Gott den Menschen, um der Katze zu dienen.
  • Am dritten Tag erschuf Gott all die Tiere der Erde, um als potentielles Futter für die Katze zu dienen.
  • Am vierten Tag erschuf Gott die ehrliche Arbeit, damit der Mensch sich für das Wohl der Katze mühen konnte.
  • Am fünften Tag erschuf Gott den Glitzerball, damit die Katze damit spielen oder es sein lassen konnte.
  • Am sechsten Tag erschuf Gott die Tiermedizin, um die Katze gesund und den Menschen pleite zu erhalten.
  • Am siebenten Tag versuchte Gott zu ruhen, aber er mußte das Katzenklo saubermachen.

 Katzen Seele

Mit Ihren grossen gelben Augen,
den Glanz geschenkt von Bruder Mond.
Wollten Sie mein Herz mir rauben,
die Wesen die von Gott belohnt.

Aug in Aug mit sanften Pfoten,
nahmen Sie mich mit in Ihre Welt.
Die tiefe Nacht die mir geboten,
aus dieser Sicht wie Tag erhellt.

Angeschmiegt, an mir die Wesen,
die mich lieben wie ich bin.
Gottes Gnade Sie erlesen,
mit Ihrem unbefleckten Sinn.

Ohne Hass und ohne Gräuel,
sehen Sie in mein Herz hinein.
Unbefangen grosse Liebe,
neben Ihnen bin ich klein.

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